Andreas Buro und Otmar Steinbicker

Ping-Pong-Dialog über Perspektiven von Frieden und Friedensbewegung

Ein Endlos-Gespräch

Bei dem Ping-Pong-Dialog geht es um ein Endlos-Gespräch über grundsätzliche Einschätzungen der internationalen Entwicklung, um konkrete Konfliktherde, tagespolitische Einschätzungen und um strategische Fragen der Friedensbewegung.  

Das Projekt soll die Möglichkeit zu einer zeitnahen Diskussion eröffnen.

Leserinnen und Leser können sich gerne mit Anregungen an die Gesprächspartner wenden unter info@aixpaix.de.

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Gesprächsstart 29.01.2015

Birgt der Ukraine-Konflikt eine unmittelbare Kriegsgefahr?

Otmar Steinbicker, Foto: Beate Knappe

Otmar Steinbicker: Die Friedensbewegung stand im Dezember mit dem „Friedenswinter“ – wie seit langem nicht mehr – deutlich sichtbar im Focus der Medien. Der Tenor der Presse war unter dem Aspekt der Zusammenarbeit mit der Mahnwachenbewegung fast ausschließlich negativ.

Nun gibt es insgesamt mehrere Aspekte, unter denen das Thema betrachtet werden kann. Mich interessiert vor allem, inwieweit eine kritische Debatte zu einer positiven Entwicklung für die Friedensbewegung beitragen kann.

Eine zentrale Frage ist dabei sicherlich: vor welchen Herausforderungen durch die internationale Situation steht die deutsche Friedensbewegung? In den Verlautbarungen im „Friedenswinter“ entstand der Eindruck, dass da womöglich durch den Ukraine-Konflikt eine unmittelbare Kriegsgefahr bestünde, so dass die Friedensbewegung schnell und stark und vor allem gegen deutsche Kriegsbestrebungen handeln müsse. Da hatte ich aus dem Sommer wesentlich differenzierte Aussagen in Erinnerung.

Andreas Buro, Foto: privat

Andreas Buro: Ich halte die Situation auch für gefährlich, allerdings nicht in dem Sinne, einer der Konfliktakteure wolle einen Krieg. Bei der jetzigen Eskalation des Konflikts über die Ukraine kann es jedoch zu militärischen Missverständnissen und Missdeutungen kommen. Solche gefährlichen Situationen hat es bereits während der Zeit des West-Ost-Konflikts gegeben. Die Rede von deutschen Kriegsbestrebungen halte ich jedoch für unsinnig.

Es ist doch offensichtlich, im Kriegsfall wären EU-Europa und Russland der Kriegsschauplatz. Kämen Atomwaffen zum Einsatz blieben nur zerstörte Landschaften übrig. Die europäische Kultur könnte man vergessen, wie auch die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit. Auch wäre die deutsche Dominanz in der EU dahin, wenn diese überhaupt bestehen bliebe. Welche deutsche Regieung, welche EU-Mannschaft welche Kapitalgruppen Europas sollen daran ein Interesse haben?

Ich finde, aller Verbalradikalismus verstellt der Friedensbewegung die Einsicht in die sehr komplizierten realen Probleme, die sich aus den großen globalen Machtverschiebungen ergeben. Das darf man nicht zulassen.

Otmar Steinbicker, Foto: Beate Knappe

Otmar Steinbicker: Auf die Eskalationsgefahren sollten wir im weiteren Gesprächsverlauf noch einmal zurückkommen.

Bleiben wir zunächst bei der Frage nach den Strategien der Konfliktakteure. Ich sehe auch bei den USA derzeit keinen Wunsch nach einem großen Krieg, schon gar nicht nach einem Atomkrieg. Letzteren würden auch die USA angesichts der gesicherten Zweitschlagskapazität Russlands nicht überleben. Es gibt deutliche Bestrebungen der USA, eine nukleare Überlegenheit zu erreichen, aber die anvisierten Maßnahmen reichen nicht für einen entwaffnenden Erstschlag.

Auch andernorts wirkt das Agieren der US-Regierung widersprüchlich. Eine ernsthafte Strategie ist nicht zu erkennen. Einerseits möchte man noch immer Weltpolizist spielen, andererseits fehlt dafür das Geld. Die Kriege in Afghanistan und im Irak waren auch für die USA verlustreich.

Obama hatte bereits im vergangenen Frühjahr in einer Grundsatzrede das Ende der großen Kriege verkündet, sich dann aber am Jahresende doch für Luftangriffe auf IS-Stellungen entschieden. Insgesamt sehe ich kein schlüssiges politisches oder militärisches Gesamtkonzept, eher eine Zerrissenheit zwischen Wollen und Können.

Gesprächsfortsetzung. 30.1.2015

Strategie des Westens – USA, Frankreich, Israel

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