Globaler Militarisierungsindex 2016

Aufrüstungstendenzen in Europa

01.12.2016 – Mit Armenien, Russland, Zypern, Griechenland und Aserbaidschan befinden sich fünf europäische Länder unter den weltweiten Top Ten des Globalen Militarisierungsindex (GMI) 2016 des BICC.

Nach der Annexion der Krim durch Russland und infolge des andauernden Konflikts in der Ostukraine deutet sich vor allem in Osteuropa eine verstärkte Militarisierung an.

Während sich Russland (2016: Platz 5) kontinuierlich unter den zehn höchst militarisierten Ländern hält, hat sich der Militarisierungsgrad der Ukraine im Gesamtranking von Platz 23 im Jahr 2015 auf aktuell Platz 15 erhöht. Sowohl dort als auch in den osteuropäischen EU-Ländern Polen, Tschechien und der Slowakei sowie den baltischen Staaten stiegen die Militärausgaben, bei einem gleichzeitigen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP). „Das führt zu durchweg höheren Platzierungen der osteuropäischen Staaten im Militarisierungsranking, da der GMI die Aufwendungen für das Militär in ein Verhältnis zur Gesamtgesellschaft setzt - zum Beispiel die Militärausgaben ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zu den staatlichen Gesundheitsausgaben (Anteil am BIP)“, erläutert Autor Dr. Max M. Mutschler.

Im Gegensatz dazu ist bei den meisten westeuropäischen Staaten noch keine deutliche Zunahme der Militarisierung zu beobachten. Deutschland liegt derzeit auf Platz 100, allerdings plant die Bundesregierung, die Verteidigungsausgaben zwischen 2015 und 2019 um 6,2 Prozent zu steigern. „Es ist zu erwarten, dass der zukünftige US-Präsident Donald Trump den Druck auf die europäischen NATO-Staaten erhöhen wird, mehr in ihr Militär investieren, um das selbstgesteckte Ziel von Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des BIP zu erreichen“, ergänzt Max Mutschler.

Obwohl kein anderer Staat so viel Geld für sein Militär ausgibt wie die USA (2015: 595 Milliarden US-Dollar), liegen diese lediglich auf Platz 31 des GMI. „Die hohen Militärausgaben und die hohe Anzahl an militärischem Personal der USA relativieren sich im Ranking, wenn sie dort zum BIP oder zur Gesamtbevölkerung ins Verhältnis gesetzt werden“, erläutert Mutschler. Dies erklärt umgekehrt, warum schon seit Jahren kleine Staaten wie Singapur, Armenien oder Zypern unter den weltweiten Top 10 des GMI zu finden sind.

Naher und Mittlerer Osten

An der Spitze des GMI steht weltweit nach wie vor Israel. Hier ist es nicht zuletzt das israelische Wehrpflichtsystem, das zu einer sehr hohen Zahl des militärischen Personals im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung führt und das sich dementsprechend auch deutlich im GMI niederschlägt. Aber auch der Militarisierungsgrad der meisten anderen Länder im Nahen und Mittleren Osten ist vor dem Hintergrund lang andauernder Konflikte nach wie vor hoch. Interessant wird sein, wie sich der seit Mitte 2014 stark gefallene Ölpreis auf die Militarisierung der Golfstaaten und deren massive Waffenkäufe auswirken wird. Bislang ist von einer Reduzierung der Militärausgaben jedoch noch nichts zu sehen. „Dies gilt insbesondere für Saudi-Arabien (Platz 17). Der Anteil der Rüstungsausgaben im Königreich liegt bei 13,7 Prozent des BIP und ist selbst für die Region des Nahen und Mittleren Ostens enorm hoch“, betont Mutschler.

Militarisierung und Hunger

Der diesjährige GMI setzt den Militarisierungsgrad ins Verhältnis zu dem von der Deutschen Welthungerhilfe herausgegebenen Welthunger-Index 2016. Dieser Index erklärt Hunger nicht nur mit ökonomischen oder klimatischen Ursachen, sondern auch mit Instabilität und gewaltsamen Konflikten. Dass die meisten Staaten, in denen Hunger herrscht, einen relativ niedrigen Militarisierungsgrad haben, verweist darauf, dass eine schwache Militarisierung häufig nicht auf eine friedliche Gesellschaft, sondern vielmehr auf einen schwachen Sicherheitssektor und ein unsicheres Umfeld hindeutet. „Beispiele hierfür sind vor allem ehemalige Bürgerkriegsländer wie Sierra Leone (Platz 146) und Liberia (Platz 149), die zu den Ländern gehören, die unter ‚ernstem‘ oder sogar ‚sehr ernstem‘ Hunger leiden“, unterstreicht Prof. Dr. Conrad Schetter, Forschungsdirektor des BICC und Mitglied des Präsidiums der Deutschen Welthungerhilfe.

Nichtsdestotrotz befinden sich unter den 20 am stärksten unter Hunger leidenden Ländern auch Staaten mit einem relativ hohen Militarisierungsgrad. Hierzu zählen der Tschad (Platz 68), Namibia (Platz 46), Pakistan (Platz 52) oder Angola (Platz 37), das innerhalb der Länder Subsahara Afrikas der am stärksten militarisierte Staat ist. „Möglicherweise binden dort die starken Investitionen in das Militär Ressourcen, die sonst zur Bekämpfung des Hungers oder für das Gesundheitssystem zur Verfügung stünden“, schlussfolgert Conrad Schetter.

Der GMI

Der Globale Militarisierungsindex bildet alljährlich das relative Gewicht des Militärapparats von Staaten im jeweiligen Verhältnis zur Gesellschaft als Ganzes ab. Er stellt zum Beispiel die Militärausgaben ins Verhältnis zum BIP und den staatlichen Gesundheitsausgaben (Anteil am BIP). Der GMI 2016 umfasst 152 Staaten und basiert auf den aktuellsten vorliegenden Zahlen, in der Regel sind das die Daten des Jahres 2015. Der Index wird durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

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