Andreas Buro

Der fünfte Weltkrieg

13.06.2014

Wir gedenken der Kriege zwischen 1914 und 2014, 100 Jahre, Anlass in Trauer zurück zu blicken. Welcher Wahnsinn! Hätte der bosnische Anarchist im August 1914 in Sarajewo nicht auf den österreichischen Thronfolger und seine Frau gefeuert, oder hätte er vorbei geschossen, dann wäre die Weltgeschichte anders verlaufen. Oder wäre der deutsche Kaiser nicht so verliebt in den Bau von Kriegsschiffen gewesen – so eine Marotte!

Am Zweiten Weltkrieg sind doch ein wenig die Franzosen Schuld mit ihrem Vertrag von Versailles. Da brauchte nur ein charismatischer Typ wie Adolf Hitler kommen, um die empörten Deutschen zum Kampf gegen die Schmach zu begeistern. Ohne Hitler wäre das alles nicht geschehen. Dann hätten sich die Vernünftigen durchgesetzt.

Dass bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges die einst alliierten sich gegen einander wandten, wird nur verständlich, wenn man die panzer-starrende Sowjetunion mit ihrer Berlin-Blockade und ihren vielen Schikanen, die auf die Teilung Deutschlands zielten, ins Blickfeld rückt. Daher der Name Ost-West-Konflikt mit hinterhältigen Kriegsführungen wie durch Guerilleros in Vietnam und anderswo. Alles von Moskau gesteuert.

Als dann die UdSSR den Ost-West-Konflikt verloren hatte und der Westen siegreich war, blieben die USA die einzige Supermacht auf der Erde. Viele hofften auf ewigen Frieden, denn die Guten hatten ja jetzt die Oberhand. Na, ja, das erfüllte sich nicht wegen der nationalistischen Völker auf dem Balkan. Der Westen mit seiner internationalen Gemeinschaft konnte schließlich die Waffen zum schweigen bringen. Streitigkeiten in Mittelost zwischen Irak und Kuwait zwangen den Westen zum Eingreifen. Es folgte der Umsturz im Iran durch islamistische Kräfte, Irak glaubte aus dieser Situation Nutzen ziehen zu können. 8 Jahre Krieg mit vermutlich etwa einer Million Toten. Dann musste der Westen wiederum eingreifen und Ordnung schaffen: Irak, Afghanistan, Libyen. Mali, Syrien, Ukraine. Es gelang der Supermacht USA nicht mehr so recht, die Welt nach ihren Wünschen zu ordnen. Islamisten in vielen Ländern und aufsteigende Mächte in Asien, Lateinamerika, Afrika. Das wirft die Frage nach der Zukunft auf. Wird es weitere Kriege geben – einen fünften Weltkrieg?

Die bisherige Darstellung des Weltkriegsjahrhunderts – vielleicht etwas überzogen karikiert – lässt nicht erkennen, um welche Interessen und Prozesse es wirklich gegangen ist. Im Folgenden erzähle ich meine Version in groben Strichen. Die vielen Verästelungen lasse ich beiseite, damit der rote Faden sichtbar bleibt.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918)

Während England, Frankreich, Holland und Belgien, wie auch Spanien und Portugal seit dem 18. und insbesondere im 19. Jahrhundert ihre Kolonialreiche ausgebaut hatten, entstand Deutschland als kaiserlicher Nationalstaat erst im Prunksaal von Versailles nachdem Frankreich 1871 geschlagen worden war. Es hatte sich zwar im 19. Jahrhundert nicht zuletzt durch protektionistische Politik wirtschaftlich sehr gut entwickelt. War aber weltpolitisch gesehen eine verspätete Nation ohne vergleichbaren globalen Einfluss. Das galt es, umgeben von den großen imperialen Mächten wie dem zaristischen Russland, dem weltweit agierenden Großbritannien und Frankreich, zu verändern. Militär und Flotte sollten dazu dienen. Allerdings musste den imperialen Platzhaltern die Schuld für den Beginn eines Krieges zugerechnet werden können. Der potentielle Aufsteiger Deutschland musste als angegriffener erscheinen. Nur so konnten die Menschen in Deutschland zu dem großen Krieg mobilisiert werden. Der Mordanschlag auf den österreichischen Thronfolger und seine Frau in Sarajewo und die anschließenden Ränkespiele machten dies möglich. Ein Krieg der imperialistischen Konkurrenz, der die Massentötung von Soldaten und Zivilisten in eine neue, bisher nicht erahnte Dimension des Krieges führte. Deutschland und seine Verbündeten konnten ihr Ziel nicht erreichen. Deutschland musste in Versailles kapitulieren. Die alten imperialen Platzhalter hatten noch einmal gesiegt. Sie legten Deutschland schwere Reparationen auf.

Die deutsche Generalität, die eigentliche Regierung während des Krieges, war zu feige oder taktisch so raffiniert, die Verantwortung für die Niederlage nicht zu übernehmen. Sie verbreitete die ‚Dolchstoß-Legende’. Die Heimat hätte das an sich siegreiche Heer im Stich gelassen. Damit wurde die ideologische Grundlage für eine Revanche im Kampf um Weltherrschaft geschaffen.

Die Revanche unter ganz neuen Bedingungen. Der Zweite Weltkrieg (1939-1945)

In der Zwischenkriegszeit ereigneten sich zwei ungeheuer wichtige Veränderungen. In Russland beendete die bolschewistische Revolution die Herrschaft der Zaren. Damit ergriffen zum erstenmal die sonst nur innenpolitischen Gegner in den bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften die Macht in einem der großen Imperialstaaten und wurden so auch zu einem bedeutenden Faktor internationaler Politik.

Ab 1929 stürzten die führenden kapitalistischen Industriestaaten in eine verheerende Wirtschaftskrise. Diese ließ massive Befürchtungen in den betroffenen Ländern aufkommen, das bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftssystem könne mangels ständiger Wachstums- und Expansionschancen nicht überleben. Protektionismus verbreitete sich, der Welthandel brach ein, während Arbeitslosigkeit und Verelendung um sich griffen. Die in den USA praktizierte Gegenstrategie des New Deals konnte die Situation nicht wenden. Damit wurde das große Thema für das restliche Jahrhundert angeschlagen: Wie sei ständiges Wachstum und damit eine angemessene Kapitalverwertung zu ermöglichen und zu sichern?

Dies war das Umfeld für das Aufkommen faschistischer/nationalsozialistischer Bewegungen in vielen Ländern Europas, die sich, wie in Deutschland, oft mit Antikommunismus, Rassismus und unverhohlenem Großmachtstreben verbanden. Es war die Zeit für die Revanche zum Ersten Weltkrieg, gebündelt mit Skrupellosigkeit und Mordlust in unvorstellbarem Ausmaß. Mit bei dem Revanchekrieg war die Generalität des preußischen Militarismus, die aufsteigende Industrie und große Teile der demagogisch verblendeten deutschen Gesellschaft.

Die alten Imperial- und Kolonialmächte allein konnten dem faschistischem Ansturm nicht standhalten. Die USA stiegen mit ihrem Eintritt in den Krieg zur militärischen Großmacht auf. Durch den deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurden sie zum Kriegspartner der vom Klassengegner beherrschten Macht. Eine höchst brisante Allianz!

Der West-Ost-Konflikt. Der heiße Kalte dritte Weltkrieg (1945-1990)

Die Entscheidung für den dritten Weltkrieg fiel in den USA lange vor der Kapitulation Deutschlands. Sollte die Nachkriegsordnung auf einer mehr kooperativen Basis mit der UdSSR beruhen oder auf Konfrontation? Mit diesen kooperativen Vorstellungen verbanden sich die Name des US-Finanzministers Morgenthau und des englischen PremiersWinston Churchill. Mit der Sowjetunion sei ein wirtschaftlicher Austausch zu organisieren, während Deutschland als Konkurrent der USA und Englands entindustrialisiert werden sollte, was auch den Sicherheitsinteressen Frankreichs entsprochen hätte.

Dagegen setzte sich in den USA die Fraktion durch, die auf eine anti-sowjetische Eindämmungspolitik und auf die Öffnung möglichst aller Märkte auf dem Globus setzte. Dieses weltmarktstrategische Konzept hatte bereits in der Atlantik-Charta, den Lend-Lease-Abkommen und in militärischen Strategien einen Niederschlag gefunden.

Der Kreml verstand bereits 1945 nach abschlägigen Bescheiden der USA auf Kreditbitten sehr wohl, an wen sich die Botschaft der Hiroshima- und der Nagasaki-Bombe richtete. Die UdSSR verfügte damals noch nicht über Atomwaffen. So entstand aus ihrer militärischen Antwort das erste Abschreckungsszenarium: Sowjetische Panzerarmeen in Mitteleuropa gegen die in der Türkei stationierten US-Atomwaffen, welche die Sowjetunion erreichen konnten.

Der Kalte Krie war durchaus heiß. Überall in der Welt, wo anti-koloniale Befreiungskämpfe unter sozialistischen oder kommunistischen Vorzeichen geführt wurden, griffen die USA und ihre Verbündeten ein. Vietnam ist das bekannteste Beispiel. Es durften keine Staaten entstehen, die sich nicht dem Weltmarkt und der westlichen Kapitalverwertung öffnen würden. Die US-Globalstrategie zwang selbst die eigenen Verbündeten ihre Kolonialherrschaft aufzugeben oder zumindest so zu gestalten, dass US-Kapital dort ungehindert konkurrieren konnte. Selbst nationalkapitalistische Staaten, die ihre nachholende Entwicklung über eine protektionistische Politik zu erreichen suchten, wurden von den USA bekämpft. Terrorregime wie zum Beispiel in Argentinien, Chile und anderen lateinamerikanischen Ländern fanden die nordamerikanische Unterstützung, von Afrika und Asien erst gar nicht zu sprechen. Das alles geschah unter dem Vorzeichen der Freiheit, gemeint war jedoch nur die wirtschaftliche Freiheit.

Die bedrohlichste Entwicklung im West-Ost-Konflikt entsprang dem Wettrüsten im Rahmen der beidseitig betriebenen Abschreckungspolitik. Waren schon die neuen Waffen im 1. und 2. Weltkrieg erschreckend, so wurden nun Waffensysteme installiert, die in der Lage waren, die ganze menschliche Kultur zu zerstören. Ziel und Mittel entsprachen in keiner Weise mehr einander, wie es vielleicht zumindest in militärischer Logik noch im 19. Jahrhundert der Fall war. Das ist bis heute nicht rückgängig gemacht worden. Im Gegenteil! Neben Land-, Wasser- und Luftstreitkräfte treten nun zusätzlich Möglichkeiten des Cyber-Wars, des Weltraum-Krieges und der automatischen selbstgesteuerten Kriegsführung hervor. Nichts ist durch militärische Aktionen sicherer geworden.

USA – die unipolare Macht. Der vierte Weltkrieg (1990-2012)

Endlich war der West-Ost-Konflikt 1990 beendet. Die Sowjetunion zerbrach. Der Westen hatte gesiegt. Deutschland wurde wieder vereinigt. Würde ewiger Friede eintreten, wie einige hofften? Diese Hoffnung schloss die Annahme ein, der Westen verkörpere das Gute, die Freiheit und die Menschenrechte. Würde nicht eine große Friedensdividende fällig, denn wozu brauchte man noch all die Rüstung und das viele Militär? Falsch gedacht! Das Militär brauchte man ja gerade um den Frieden zu sichern, so hieß es. Jedenfalls waren die USA die einzige verbliebene Supermacht. Ihre militärischen Potentiale waren und blieben überwältigend. Allenfalls wurde im Sinne der Modernisierung sowie der Anpassung an neue Konfliktkonstellationen und Interessen umgerüstet.

Das atomare Abschreckungssystem zu Russland blieb allerdings erhalten Der ABM-Vertrag von 1972 zwischen den USA und der UdSSR zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen wurde jedoch 2002 von den USA einseitig gekündigt. Das war ein bedeutender Schritt. Er kündigte an, die USA wollten das Abschreckungssystem zu ihren Gunsten verändern. Diese Tendenz wurde später in der Auseinandersetzung über die Installierung von US-Raketenabwehrbatterien in Europa weiter voran getrieben. Sie richteten sich nicht, wie stets fälschlich behauptet wurde, gegen noch gar nicht existierende iranische Raketen, sondern sollten dazu dienen die russische Zweitschlagsfähigkeit zu schwächen.

Bei der US-Machtfülle stellte sich bald die Frage, ob nicht doch noch einige ‚Weltordnungsprobleme’ zu erledigen seien. War der Irak nicht zu vormächtig geworden und griff nach trickreicher US-Ermunterung Kuwait an? In Jugoslawien herrschten noch immer sozialistische Orientierungen. Das sollte man doch ändern. Dann noch einmal Irak, weil man dort angeblich Massenvernichtungswaffen illegal baute. Das war zwar eine Lüge, doch gab es dort viel Öl. Dann mussten die USA in Afghanistan eingreifen, weil Islamisten aus Deutschland und den USA vermutlich zwei Flugzeuge in die Twin Towers in New York geflogen hatten. Was hatte eigentlich Gaddafi verbrochen, der zuvor so viel Umarmte, dass man ihn stürzen musste? Mit Menschenrechtsverletzungen war man doch sonst nicht zimperlich. Die USA ließen schließlich auch in Syrien foltern. Wen immer ich in dieser Aufzählung vergessen habe, immer war Krieg die amerikanische und westliche Antwort. Die USA haben die ganze Welt in zuständige US-Militärkommandos aufgeteilt. Man schätzt bis zu 1000 US-Stützpunkte, auf die zugegriffen werden kann. Das kostet.

In der Öffentlichkeit wurden die Probleme großer Imperien diskutiert, wie etwa die Roms. Von Überdehnung war die Rede, denn die aktuellen Weltordnungskriege liefen gar nicht mehr gut. Abzug aus einem Chaos im Irak und aus Afghanistan. Syrien ist nicht zu bändigen, von Somalia ganz zu schweigen, Libyen im Bürgerkrieg.

Bittere Streitigkeiten und große wirtschaftliche Schwierigkeiten in Gods own country. Das Bild von der unipolaren Weltordnungsmacht, die den Weg aus den vielen globalen Problemen weisen würde, trübte sich. Was würde geschehen, wenn die USA ihre Schulden nicht mehr mit der Gelddruckmaschine ausgleichen kann? Im vierten Weltkrieg scheint es nur Verlierer gegeben zu haben, wenn man von großen internationalen Konzernen absieht. Nur die Ausweitung der NATO in die ehemaligen sowjetischen Machtbereiche verlief zunächst erfolgreich.

Der fünfte Weltkrieg – Die Globalisierung schlägt zurück (2012......?)

Selbstverständlich habe ich nicht die berühmte Glaskugel, um in die Zukunft zu sehen, doch lassen sich Tendenzen erkennen. Die Expansion der NATO wurde gestoppt. Das erste Signal dafür kam aus Russland im Konflikt mit Georgien um Süd-Ossetien. Das hat der Westen nicht angemessen wahrgenommen. Nun gab es das zweite Signal im Kampf um die Zuordnung der Ukraine nach West oder Ost. Im Krieg in Syrien benötigen die USA die Hilfe Russlands und im Hintergrund auch die Chinas. Sie werden möglicherweise auch ihren Kurs des Regime Changes gegenüber Iran revidieren müssen. Allerdings ist noch unklar, ob eine mehr kooperative Politik gegenüber Iran gegen die reaktionären Kräfte im eigenen Land durchgesetzt werden kann.

Die unipolare Struktur wandelt sich zusehends in eine multipolare mit neuen Machtkonstellationen. China überholt im Bruttosozialprodukt die USA.

Dieser Wandel vollzieht sich unter den Bedingungen höchst ungleicher Verteilung von Lebenschancen und Gütern, unter der Bedrohung durch einen Klimawandel größten Ausmaßes und ist noch immer geprägt von den Gedanken der Konkurrenz und der Konfrontation für partikulare Ziele. Dabei werden systematisch neue Feindbilder aufgebaut. Waren dies im Kalten Krieg die Kommunisten, so sind es heute die Islamisten. Feindbilder bereiten auf Schwarz-Weiß-Denken und Konfrontation, nicht aber auf Bereitschaft zu Kooperation und Aussöhnung hin.

Die Möglichkeiten günstige Kapitalverwertung zu sichern, war ein durchgehendes Prinzip des 3. und 4. Weltkrieges. Wachstum sollte um jeden Preis erreicht werden. Das gilt auch für die Zukunft mit Globalisierung der Wirtschaft als Leitmotiv. Mittlerweile ist die Globalisierung durch die westlichen Industriestaaten und große Konzerne weit voran getrieben worden. Doch den Nutzen ziehen nicht nur sie, sondern auch die aufholenden Länder aus Asien, Lateinamerika und demnächst wohl auch aus Afrika. Schwächere bürgerlich-kapitalistische Industriestaaten und manche Produktionssektoren spüren die Konkurrenz aufstrebender Länder mit noch billigen Lohnstrukturen. Es wird viele absteigende, doch nach wie vor schwer bewaffnete Gesellschaften geben. Ihre Menschen werden sich radikalisieren und irrational verhalten.

Zu einer kaum noch zu kontrollierende Bedrohung wird das Finanzkapital, das sich gegenüber der realen Wirtschaft mehr und mehr verselbständigt. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gesellschaften jagt es der Maximierung seiner Gewinne nach. Die dabei entstehenden Katastrophen werden den Gesellschaften aufgebürdet und so die Ungleichheit zwischen Arm und Reich vergrößert. Anscheinend sind die Regierungen nicht mehr in der Lage, diese Kräfte zu bändigen. Solidarität zur Bewältigung der gewaltigen Menschheitsprobleme kann so nicht entstehen.

Während dieser geradezu tektonischen Machtverschiebung entfaltet sich ein Weltkrieg ohne Grenzen und ohne Kriegserklärungen. Bewaffnete Drohnen töten vermeintliche Feinde nach Belieben der Geheimdienste. Bomben explodieren, von kleinen Gruppen gelegt ohne Rücksicht auf staatliche Grenzen. Beides ist Terror in unterschiedlicher Technik und mit jeweils großen „Kollateralschäden“. Präsident Obama hat in seiner außenpolitischen Grundsatzrede im Mai 2014 in der Militärakademie West Point betont, die USA würden nicht mehr Landinvasionen vorsehen, wenn keine direkte Bedrohung der USA bestünde. Er würde vielmehr alle Staaten, die gegen islamistischen Terror kämpfen, mit einem 5 Mrd. Dollar-Programm unterstützen. Er will zwar diplomatische Lösungen mehr in den Vordergrund rücken, aber gleichzeitig den dezentralen militärischen, von den USA geförderten Kampf weiter führen. Das kann Krieg über Kontinente bedeuten und ist das Gegenteil einer kooperativen zivilen Politik.

Gleichzeitig geschieht etwas Sonderbares. Die haushohe militärische Überlegenheit in der Rüstung von USA und NATO wird durch die viel billigeren Kampfmittel der Gegenseite – Sprengfallen, Minen, Autobomben, Computerangriffe im Cyber-War und unbegrenzten Einsatz von Menschenleben - deutlich relativiert. Freilich kann die Gegenseite nicht die Kriege gewinnen, aber der Westen kann es auch nicht. Eine fatale Situation, denn die immer wieder beschworene Globalisierung benötigt dringend Ordnungssysteme, auf die sich alle verpflichten müssten. Ordnungssysteme lassen sich jedoch nur kooperativ erreichen, nicht jedoch mit militärischen Mitteln. Während die militärischen Allmachtphantasien geradezu dahin führen, die Grundaufgabe der Vereinten Nationen zu untergraben, Ordnungen zu vereinbaren und Frieden zu sichern, Der Kosovo-Krieg gegen Rest-Jugoslawien ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrats war der westliche Sündenfall der Zerstörung der UN-Friedensaufgabe. Die Bereitschaft zum Bruch der Charta ist bis heute in der NATO- und US-Strategie nicht rückgängig gemacht worden.

Nach wie vor wird auf fast allen Seiten auf direkte oder strukturelle Gewalt im Umgang mit Konflikten gesetzt. Für die Entfaltung ziviler Konfliktbearbeitung wird im Verhältnis hierzu fast nichts getan, während Aufrüstung in fast allen Ebenen wahnwitzig und kostenreich voran getrieben wird. Aus schwelenden Konflikten können so leicht Flächenbrände werden. Die Munition liegt überall bereit und es wird bereits kräftig gezündelt..

Ist das alles nur ein Hirngespinst? Werden die Gesellschaften der Welt und die Kräfte innerhalb der Staaten angesichts drohenden Gefahren nicht aufeinander zugehen? Können die zunehmend entstehenden regionalen Staatenverbände wie EU oder ASEAN Dialoge ausreichend fördern und Konfrontation in Kooperation verwandeln? Gelingt es den Vereinten Nationen wieder Verhandlungsstärke zu gewinnen? Werden sich die Gesellschaften von ihren rüstungswütigen Herrschern befreien und auf zivile Formen des Umgangs miteinander bestehen?

Niemand kann diese Fragen beantworten. Alle sollten jedoch dazu beitragen, die Wende von der Konfrontation zur Kooperation zu fordern und zu fördern.

Andreas Buro ist Autor des Aachener Friedensmagazins aixpaix.de. Seine Beiträge sehen Sie hier


World Wide Web aixpaix.de

Beiträge von Andreas Buro

Zoff in der Türkei

Die Pariser Morde, furchtbar! Doch bin ich deshalb Charlie?

Zur Situation der deutschen Friedensbewegung

Die zynische Politik Ankaras im Kampf um Kobane

Eine persönliche Erklärung zum Gaza-Krieg

Keine Militärintervention im Irak, aber was sonst?

Der fünfte Weltkrieg

Vorschläge zur Überwindung der Konfrontation über und in der Ukraine

Überlegungen zum Ukraine-Konflikt

Die vier großen Kriegsformationen und die Friedensbewegung 1914-2014

Von Mali zur Zentralafrikanischen Republik – ein machtpolitisches Projekt

Die Legitimation des Militärs wird brüchig

Neun Thesen zum aktuellen ägyptischen Konflikt

Im Kampf der Türkei gegen syrische Kurden spielen auch die Patriot-Raketen eine Rolle

Kein Krieg um Iran! Die Waffen nieder – Friedenspolitik beginnen!

Iran: Kriegs- oder Friedenspolitik – das ist die Frage

Der NATO-Einsatz in Libyen ist (Öl-)interessengeleitet

Ein pazifistischer Blick auf Libyen

Neues Denken ist angesagt

Thesen zur Bedrohungslage zwischen Israel und Iran

Friedenslösung im israelisch-palästinensischen Konflikt eine Illusion?

Für eine Neuausrichtung der kurdischen Strategie

Fahrplan (Road Map) für eine friedliche, zivile Lösung des türkisch-kurdischen Konflikts (13.12.2009)

Was kümmert Müllers der Hindukusch? - Ein Beitrag für die "Kooperation für den Frieden"

Kommentar: Repression gegen die kurdische „Partei für eine demokratische Gesellschaft“ (DTP)

Dossier: Der Afghanistan-Konflikt

Dossier: Der Nahost-Konflikt

Dossier: Der türkisch-kurdische Konflikt

Dossier: Der Iran-Konflikt

Das Monitoring-Projekt - Zivile Konfliktbearbeitung - Gewalt- und Kriegsprävention. Die Alternativen der Friedensbewegung zum militärischen Konfliktaustrag