Gershon Baskin

Was Abbas Israel sagen sollte

27. August 2012

Wenn eure Führer auf Treu und Glauben die Verhandlungen erneuern wollen, indem sie uns nicht die eine Hand entgegenstrecken, während sie mit der anderen Hand eifrig neue Siedlungen bauen, dann werden wir am Verhandlungstisch und bereit sein, vollkommenen und umfassenden Frieden zu schließen.

Es folgt ein Brief, den der Präsident der Palästinenserbehörde Mahmoud Abbas an das Volk von Israel schreiben könnte (und sollte) – besonders als Antwort auf den scharfsinnigen/listigen Diplomatenbrief, den der Außenminister Avigdor Liberman letzte Woche dem Nahost-Quartett geschickt hat. Der folgende Brief gründet sich auf vorhandene palästinensische Texte und auf Gespräche mit Abbas.

An das Volk von Israel. Wir, das Volk von Palästina, streben nach Frieden mit euch, dem Volk von Israel. Wir streben nach Unabhängigkeit in einem eigenen Staat, wie auch ihr einen habt, wir wollen als eure Nachbarn Seite an Seite mit euch leben, Palästina neben Israel. Ich nenne euch den historischen Nachweis unserer Absichten, wie wir ihn der ganzen Welt bekanntgemacht haben.

Unsere Absichten sind realistisch, unser Wunsch nach Frieden ist echt und unsere Pläne für die Zukunft sind friedlich. Am 15. November 1988 haben wir vor der Welt und vor unserem Volk und in Arabisch unsere Unabhängigkeitserklärung abgegeben:

„Palästina, das Land der drei monotheistischen Religionen, ist das Land, aus dem das palästinensisch-arabische Volk stammt, in dem es sich entwickelte und sich auszeichnete. Das palästinensisch-arabische Volk war immer in Palästina verwurzelt und hat nie seine Bande mit ihm gelöst. […]

Trotz der historischen Ungerechtigkeit, die dem palästinensisch-arabischen Volk widerfuhr und die dazu führte, dass es zerstreut und seines Rechts auf Selbstbestimmung beraubt wurde, gefolgt von der Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen arabischen und einen jüdischen, stellt diese UN - Resolution 181 (1947) entsprechend der internationalen Legitimität das Recht des palästinensisch-arabischen Volkes auf Souveränität und nationale Unabhängigkeit sicher. […]

Der Staat Palästina erklärt, dass er ein friedliebender Staat ist, der sich den Prinzipien der friedlichen Koexistenz verpflichtet. Er wird mit allen Staaten und Völkern für die Verwirklichung eines dauerhaften Friedens eintreten, der auf Gerechtigkeit und dem Respekt der Menschenrechte beruht, sodass das Potenzial der Menschheit zur Mehrung des Wohlstandes […] eingesetzt wird, in der das Vertrauen in die Zukunft all jenen die Furcht nehmen wird, die gerecht sind und zur Gerechtigkeit zurückgefunden haben.“

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In unserem formellen Antrag auf UN-Vollmitgliedschaft in der Gemeinschaft der Nationen im September letzten Jahres haben wir Folgendes geschrieben:

„In diesem Zusammenhang versichert der Staat Palästina, dass er sich verpflichtet, eine gerechte, dauerhafte und umfassende Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu verwirklichen, die sich auf die Vision von zwei Staaten, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben, gründet, so wie sie vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und der Generalversammlung und der internationalen Gemeinschaft als Ganzer befürwortet wird, und die sich auf das Völkerrecht und alle relevanten UN-Resolutionen gründet.“ (dt. für aixpaix.de von Ingrid von Heiseler)

In meiner Ansprache vor der Generalversammlung im vergangenen September habe ich noch einmal unsere aufrichtigen Absichten, mit euch, dem Volk von Israel, in Frieden zusammenzuleben, erklärt.

Wegen unserer Überzeugung von der internationalen Legitimität und weil wir den Mut hatten, für unser Volk schwierige Entscheidungen zu treffen, und da es keine absolute Gerechtigkeit gibt, haben wir uns entschlossen, den Pfad der relativen Gerechtigkeit zu gehen – einer Gerechtigkeit, die möglich ist und die zum Teil die schwere Ungerechtigkeit, die in der Vergangenheit gegen unser Volk begangen worden ist, korrigieren könnte. Also haben wir zugestimmt, den Staat Palästina auf nur 22 Prozent des Gebietes des historischen Palästinas zu errichten, auf dem gesamten palästinensischen Gebiet, das Israel 1967 besetzt hat.

Das Ziel des palästinensischen Volkes ist die Verwirklichung seiner unveränderlichen nationalen Rechte in einem unabhängigen Staat Palästina mit Ostjerusalem als seiner Hauptstadt und dem gesamten Land der Westbank, dazu Ostjerusalem und der Gaza-Streifen, den Israel im Juni 1967 besetzt hat, in Übereinstimmung mit den Resolutionen der internationalen Legitimität und bei Erreichen einer vereinbarten gerechten Lösung des Problems der Palästina-Flüchtlinge in Übereinstimmung mit Resolution 194, wie sie in der Arabischen Friedensinitiative festgelegt wurde, die die übereinstimmende arabische Vision darstellt, um den Kern des arabisch-israelischen Konflikts zu lösen und einen gerechten und umfassenden Frieden herzustellen.

An diesem Ziel halten wir fest und wir arbeiten daran, es zu erreichen. Das Erreichen dieses ersehnten Friedens verlangt auch die sofortige Freilassung der politischen Gefangenen und Häftlinge aus den israelischen Gefängnissen. Die PLO und das palästinensische Volk halten an ihrem Gewaltverzicht und der Zurückweisung und Ächtung des Terrorismus in allen seinen Formen fest, besonders des Staatsterrorismus, und sie halten an allen Vereinbarungen fest, die zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation und Israel unterzeichnet worden sind.

Wir halten an der Möglichkeit fest, eine dauerhafte Lösung des Konflikts in Übereinstimmung mit den Resolutionen der internationalen Legitimität auszuhandeln. Hiermit erkläre ich, dass die Palästinensische Freiheitsorganisation bereit ist, auf der Basis des akzeptierten Aufgabenbereichs, der sich auf internationale Legitimität und vollständige Einstellung der Siedlungsaktivitäten gründet, sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Unsere Bemühungen sind nicht darauf gerichtet, Israel zu isolieren oder zu entlegitimieren, sondern wir wollen Legitimität für die Sache des Volkes von Palästina gewinnen. Wir wollen der israelischen Regierung und dem israelischen Volk die Hand zum Friedensschluss reichen. Ich sage ihnen: Lasst uns unbedingt und schnell gemeinsam eine Zukunft für unsere Kinder aufbauen, in der sie Frieden, Sicherheit und Wohlstand genießen können. Lasst uns eine Brücke aus Gesprächen statt Checkpoints und Trennungsmauern bauen und außerdem kooperative Beziehungen, die sich auf Gleichheit und Gerechtigkeit zwischen zwei benachbarten Staaten – Palästina und Israel – gründen, statt auf Besatzungspolitik, Siedeln, Krieg und den Wunsch, den anderen zu beseitigen.

Volk von Israel, dass einige deiner Führer Überstunden machen, um mich als Präsidenten von Palästina zu delegitimieren, hat weiter keine Bedeutung. Wichtiger ist, dass dieselben Führer die Rechte des palästinensischen Volkes auf einen eigenen Staat und seinen Wunsch, in Frieden neben Israel zu leben, zu entlegitimieren suchen.

Weder habe ich jemals gesagt, dass Juden nicht im Staat Palästina leben dürften, noch entspricht das meiner Einstellung. Ich habe niemals gesagt, dass alle palästinensischen Flüchtlinge in ihre verlorenen Häuser in Israel zurückkehren müssten. Wahr ist, dass ich, der Präsident von Palästina, gesagt habe, dass ich die Absicht habe, in mein Haus in Safed zurückzukehren. Ich habe auch gesagt, dass ich verstehe, dass eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in ihre Ursprungshäuser die Existenz Israels innerhalb einer Zwei-Staaten-Lösung gefährden würde. Ich habe niemals Verhandlungen zurückgewiesen, um diesen Konflikt zu beenden, sondern in Wirklichkeit habe ich diesem Ziel mein Leben gewidmet

Deine Führer, Volk von Israel, können dir viele Unwahrheiten über mich und mein Volk erzählen. Ich versichere dir, dass wir Palästinenser unseren Staat errichten und in Frieden mit dir leben wollen. Wir wollen dich nicht zerstören, wir wollen dich nicht entlegitimieren.

Wenn eure Führer auf Treu und Glauben die Verhandlungen erneuern wollen, indem sie uns nicht die eine Hand entgegenstrecken, während sie mit der anderen Hand eifrig neue Siedlungen bauen, dann werden wir am Verhandlungstisch und bereit sein, vollkommenen und umfassenden Frieden zu schließen. Bis dahin wenden wir uns an die Vereinten Nationen, nicht um Verhandlungen zu vermeiden, sondern um uns für die Zukunft die Möglichkeit zum Verhandeln offenzuhalten.

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler

Gershon Baskin ist Autor des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier


World Wide Web aixpaix.de

Beiträge von Gershon Baskin
2016

De-risking peace - Part I

The Left is right

The French connection

The United Nations and Israel’s legitimacy

A moment of opportunity

The darkness of our times

Addressing the core

The worst negotiations, the best negotiations

Palestinian turmoil and Israeli interests

This one is for you - the Palestinians

Palestinian suffering makes no sense for Israel

Creating a compelling vision for peace

It is also in our hands

Sooner or later

There is no partner

There is no partner

2015

Yes, it is difficult to make peace

What does he really want?

To those who oppose Israeli-Palestinian peace

Israel – my sad home

Have I got news for you

It is still not too late for peace

Netanyahu, tell us what you really think!

The partnership challenge

The binational reality that we are experiencing

Abbas is still the leader who can make peace

A new intifada?

After Abbas

The distance between here and peace and security

Doing the wrong thing at that wrong time

The one and only solution!

Yeshayahu Leibowitz was right!

The disengagement – 10 years on: What we choose to forget

Needed - a new approach to Gaza

A bad agreement is better than no agreement

Obviously no peace now, so what then?

Ramadan Kareem!

Israel’s strategic choices regarding Gaza

Anti-normalization hypocrites

FIFA, soccer and the Palestinians

Both sides now

It’s time for Palestine

The citizens’ challenge – from despair to hope

We have the chance to do the right thing in Yarmouks

The world is not against us

This is what you voted for, and this is what you will get

The no decision elections

A cautious peace, but peace nevertheless

For the sake of Israel, Netanyahu must be sent home

Going ballistic even prior to an agreement

To the new IDF chief of staff, Gadi Eisenkot

The Peace Bridge

The choices we must make

Israeli elections – It’s not about the economy

Threats and security

2014

Returning to negotiations

Our most important elections

The missed opportunities

We want peace, but they don't

Our future is in our hands

Defining who we are

Unlike religious wars, political wars have solutions

Today and tomorrow

If we had a real leader

Jerusalem of peace, Jerusalem of war

No tango going on at all

The Gaza challenge

Is Hamas prepared to end this war with a long-term ceasefire?

The end of the ceasefire, the renewal of war and the end game

The aftermath

Some thoughts this morning

Regional forum for security and stability – Gaza first

After a long phone conversation with a Hamas leader in Gaza

Don’t destroy Gaza, build it!

Framework document for the establishment of permanent peace (part 3 of 3)

Framework document for the establishment of permanent peace (part 2 of 3)

Framework document for the establishment of permanent peace

Palestinian refugees in Syria

Annexing the West Bank – a catastrophic plan for the Jewish people

Mutual and reciprocal recognition

Our Palestinians, their Jews

A very personal statement on peace

2013

Contextual reciprocity

Negotiating atmospherics

My Conversation With Hamas

Ramadan Kareem

Wahrheit, Lügen und Rechtmäßigkeit

Kauft palästinensisch!

Rat für den Präsidenten

Keine Fortsetzung des Unilateralismus!

Diesen Weg müssen wir einschlagen!

Die Kluft im Umgang mit den israelischen Arabern schließen

2012

Eine Ein-Staat-Realität ist nicht durchführbar

Strategische Fehler und Herausforderungen

Mord an der Chance für Ruhe

Das Ende des Raketenbeschusses aus Gaza

Die Aufgabe eines Staatsmannes

Es gibt einen Ausweg

Atomwaffen raus aus dem Arsenal

Was Abbas Israel sagen sollte

Obama, gestatte es uns nicht!

Ist mein zionistischer Traum gestorben?