30 Jahre Friedensnobelpreis für die IPPNW

Drei Minuten vor Zwölf – Die Gefahr eines Atomkrieges bleibt bestehen

10.12.2015 – Vor 30 Jahren haben die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) den Friedensnobelpreis erhalten für die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Gefahren eines Atomkrieges für Leben und Gesundheit der Menschen.

Bedrohten sich die Weltmächte damals noch mit mehr als 60.000 Atomwaffen, so ist deren Zahl heute auf unter 16.000 gesunken. Dennoch ist die Gefahr des Einsatzes einer Atombombe heute wieder so groß wie damals. Die Atomkriegsuhr der Zeitschrift „Bulletin of the Atomic Scientists“ steht heute wie 1985 auf drei Minuten vor Zwölf. Die Kombination von Klimawandel, nuklearer Aufrüstung durch Modernisierung und einem Stillstand der Abrüstung erhöhen die Gefahr eines Atomkrieges, begründeten die Wissenschaftler Anfang 2015, als sie die Uhr neu einstellten.

Noch immer befinden sich ca. 1.800 Atomwaffen auf höchster Alarmstufe. Die Zahl der Atomwaffenstaaten ist gestiegen: von damals sechs auf heute neun. Zu den durch den Atomwaffensperrvertrag anerkannten „Atomwaffenstaaten“ – USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China – sind die „De-facto-Atomwaffenstaaten“ Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea hinzugekommen.

Es gibt aber auch Erfolge: Außer dem Abschluss des umfassenden Atomteststoppvertrages 1996, zu dem die IPPNW maßgeblich beigetragen hat, hat die Ärzteorganisation im Jahr 2007 die weltweite International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) ins Leben gerufen. Diese Kampagne hat es mittlerweile geschafft, humanitäre Organisationen wie das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, medizinische Organisationen wie den Weltärztebund und zahlreiche Regierungen davon zu überzeugen, die humanitären Argumente gegen Atomwaffen zum zentralen Fokus des nuklearen Abrüstungsprozesses zu machen. Nach drei erfolgreichen Staatenkonferenzen zu den humanitären Folgen von Atomwaffen in Norwegen, Mexiko und Österreich 2013 und 2014 sind diese Argumente von einem Großteil der Regierungen weltweit übernommen worden, die nach konkreten rechtlichen Schritten rufen – denn Atomwaffen sind die einzigen Massenvernichtungswaffen, die noch nicht durch einen Verbotsvertrag geächtet werden. Am Montag dieser Woche hat die UN-Vollversammlung mehrere Resolutionen zu diesem Thema verabschiedet. Allerdings hat die Bundesregierung sich bei dieser Abstimmung der Resolution zu den humanitären Konsequenzen von Atomwaffen (A/RES/70/47) enthalten.

Vor einem Jahr veröffentlichte die österreichische Regierung eine humanitäre Selbstverpflichtung (Humanitarian Pledge), sich international für einen Prozess einzusetzen, der diese Lücke im Völkerrecht durch ein geeignetes Vertragswerk schließen soll. Ein Vertrag zur Ächtung von Atomwaffen wäre der nächste Schritt auf dem Weg zu ihrer Abschaffung. Mittlerweile haben 121 Staaten die „Humanitarian Pledge“ unterzeichnet und sich damit zu einem politischen und völkerrechtlichen Prozess verpflichtet. Mit der Verabschiedung einer Resolution zur Selbstverpflichtung in der UNO (A/RES/70/48) am Montag, die von 139 Staaten unterstützt wurde, nimmt der Druck auf die Atomwaffenstaaten, sich für ein Verbot von Atomwaffen stark zu machen, immer mehr zu. Die IPPNW ist mit ihren humanitären und medizinischen Argumenten in dieser Bewegung auch weiterhin an vorderster Front aktiv und gestalterisch tätig. Die deutsche Sektion der IPPNW veröffentlicht anlässlich von 30 Jahre Friedensnobelpreis für die IPPNW einen kurzen Film zum Engagement der ärztlichen Friedensorganisation.


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